Samstag, 05 Januar 2019 15:28

Grünes Investieren

01/2019

Das Interesse an den Auswirkungen fossiler Brennstoffe auf das globale Klima wächst und stellt viele Anleger vor die Frage, ob sie ihre Wertvorstellungen über Nachhaltigkeit mit ihren Investmentzielen vereinbaren können, und wenn ja, wie.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der auf nachhaltiges Investieren spezialisierten Global Sustainable Investment Alliance, stieg das nach „verantwortungsbewussten Kriterien“ angelegte Vermögen zwischen 2014 und 2016 um 25% auf 22,89 Bio. USD.1

Die Vereinten Nationen verstehen verantwortungsvolles Investieren als einen Ansatz, der die Interessen der Anleger an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekten (ESG) in die Investmentportfolios integriert.

Als Staatsbürger kann jeder Einzelne seine politischen Interessen zum Thema Nachhaltigkeit bei Wahlen zum Ausdruck bringen. Als Anleger können Sie Ihre Prioritäten zudemdurch Ihre Beteiligung an den internationalen Finanzmärkten ausdrücken.

Die grundlegende Frage ist, wie dies durchzuführen ist, ohne die gewünschten Anlageergebnisse zu beeinträchtigen. Wie können Sie beispielsweise den CO2-Fußabdruck Ihres Portfolios verringern und dabei zugleich eine ausreichende Diversifikation beibehalten, um weiterhin Ihre Investmentziele zu verfolgen?

Zudem sollten Sie bedenken, dass sich das Nachhaltigkeitsbewusstsein nicht nur auf die Treibhausgasemissionen beschränkt. Viele Anleger machen sich auch Gedanken über Landnutzung und Artenvielfalt, Verschmutzung durch Giftstoffe, Betriebsabfälle und Abfallmanagement.

Außerdem möchten viele Anleger nicht in Unternehmen anlegen, die in engem Zusammenhang mit unerwünschten sozialen Themen stehen, wie etwa Tabak- und Alkoholkonsum, Glücksspiel, Pornografie, Kinderarbeit, Massentierhaltung, Atomwaffen, Streumunition oder Landminen.

Es ist daher anspruchsvoll, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte zu berücksichtigen und gleichzeitig solide Investmentlösungen zu entwickeln, die der Bildung von Vermögen zur späteren Verwendung dienen.

Eine Möglichkeit besteht darin, zunächst einen Investmentansatz zu verfolgen, dessen Schwerpunkt auf den Dimensionen höherer erwarteter Renditen zu möglichst geringen Portfolioumschlags- und Handelskosten liegt. Sobald dieser Rahmen geschaffen wurde, können Sie zum nächsten Schritt übergehen.

Diese zweite Phase beginnt mit der Bewertung von Unternehmen anhand eines breiten Spektrums von Nachhaltigkeitskriterien in sämtlichen Branchen. Dabei werden alle Unternehmen im Portfolio und in den einzelnen Branchen nach ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein betrachtet, ohne dabei jedoch die Ziele der ursprünglichen Anlagestrategie aufzugeben.

Dabei werden insbesondere die größten CO2-Emittenten aus allen Branchen gänzlich aus dem Portfolio gestrichen.

Innerhalb jeder Branche werden Unternehmen mit dem geringsten Nachhaltigkeitsbewusstsein ausgeschlossen, während die übrigen, je nach ihrem Rang, unter den Mitbewerbern ihrer Branche unter bzw. übergewichtet werden. Anstatt mit einem „Rein-oder-raus“-Auswahlverfahren können wir mit diesem Bewertungssystem die Diversifikation wahren und gleichzeitig gute Verhaltensweisen unterstützen.

1 ) 2016 Global Sustainable Investment Review, Global Sustainable Investment Alliance.

Nachhaltig investieren

Mit diesem kombinierten Branchen- und Portfolioansatz lassen sich die CO2-Emissionen drastisch reduzieren – ein wichtiges Ziel für die Anleger – während eine breite Diversifikation verfolgt und der Schwerpunkt auf die Dimensionen höherer erwarteter Renditen gesetzt wird.

Bei der sozialen Bewertung können wir eher einen Schwarz-Weiß-Ansatz verfolgen. So können Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit Tabak, Glücksspiel oder anderen für das Portfolio unzulässigen Aktivitäten erwirtschaften, kategorisch ausgeschlossen werden.

Diese Kontroll- und Ausschlussverfahren können sowohl in der Anleihenkomponente, als auch in der Aktienkomponente eines Portfolios angewandt werden. Die Grundsätze und die Vorgehensweise sind weitgehend gleich.

Anleger sollten zudem die Auswirkungen von Nachhaltigkeitskriterien und der sozialen Bewertung auf Investments in Märkte bedenken, die nach internationalen Maßstäben klein und hochkonzentriert sind.

So hätte sich z.B. ein australisches Portfolio ohne Aktien aus den CO2- intensiven Energie-, Grundstoff- und Versorgungsbranchen in den 28 Jahren seit 1990 zeitweilig erheblich anders entwickelt als der Markt.

Dieser sogenannte „Tracking Error“ kann durch einen globalen Ansatz bei nachhaltigen Investments verbessert werden. Anders ausgedrückt: Je weniger Sie in inländische Aktien anlegen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie weit vom Index abweichen; wichtiger noch, je geringer Ihre inländische Ausrichtung im Portfolio ausfällt, desto größer ist die Reduktion der Emissionen in Ihrem Portfolio.

Die wichtigste Erkenntnis lautet, dass erfolgreiches Investieren mit Ihrer Wertvorstellung zur Nachhaltigkeit kein unvereinbares Konzept sein muss. Aber wie immer müssen Sie auch hier einen systematischen Ansatz verfolgen, der die Grundsätze eines breit diversifizierten Portfolios einhält und auf die Dimensionen höherer erwarteter Renditen setzt.

Wer möchte da noch behaupten, grünes Investieren sei schwierig?

Diversifikation beseitigt nicht das Risiko von Marktverlusten

RISIKEN

Kapitalanlagen beinhalten Risiken. Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen, sodass der Wert der Anteile eines Investors bei Rückgabe über oder unter dem Erwerbskurs liegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind.
Überprüfungen von Umwelt- und Sozialaspekten können Anlagemöglichkeiten für die Strategie einschränken.

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